/documents/download?guid=B628FE986CA5443E888A0E72D184FB06
1. Saatgutmarkt am 01. Februar 2026 in der Waldenfelshalle in Waldprechtsweier, veranstaltet vom Genbänkle und dem Obst- und Gartenbauverein Waldprechtsweier
Um den Flyer dazu anzusehen, bitte obigen Link drücken
Vielfältiges Engagement für die Natur
In der diesjährigen Mitgliederversammlung des Natur- und Umweltschutzvereins Malsch e.V. am 15.12.2025 stellte der erste Vorsitzende, Dr. Karlheinz Köhler, die Aktivitäten des Jahres 2025 vor. Der Verein beschäftigte sich im ablaufenden Jahr wieder in vielfältiger Weise mit aktuellen Fragen des Naturschutzes und der Ökologie in der Gemeinde Malsch.
In diesem Jahr stand u.a. ein Schwerpunktthema im Mittelpunkt der Vereinsarbeit: Die Wiedervernässung des von Austrocknung betroffenen Federbachbruchs zwischen Malsch und Muggensturm. Am 06.03.2025 fand anlässlich des „Welttags der Feuchtgebiete“ der UNESCO (02.02.2025) ein Vortrag von Dipl.-Ing. Rolf Bostelmann statt, in dem er die Historie, die hydrologischen und ökologischen Zusammenhänge, den aktuellen Zustand und die Gefährdung dieses wertvollen Lebensraums vor mehr als 70 Interessierten erläuterte. Zu diesem Thema fanden danach im Federbachbruch die jährliche Vogelstimmenwanderung (18.05.2025), die botanische Wanderung (15.06.2025) sowie am 27.07.2025 eine Fahrradexkursion zum Federbachbruch mit Beteiligung von Rolf Bostelmann statt. Der gute Besuch der Veranstaltungen zeigte das große Interesse am Thema mit seinen verschiedenen Facetten. Um den Schutz und die Ertüchtigung des Federbachbruchs voranzubringen nahmen Mitglieder des Vereins Kontakt zu Behörden und Einrichtungen auf (u.a. Gemeinde, Regierungspräsidium (RP), Naturschutzverbände, wiss. Einrichtungen). Inzwischen konnte das RP ein EU-/Interreg-Projekt einwerben, das u.a. die ökologische Ertüchtigung des Federbachbruchs zum Ziel hat. Der Umweltverein hat flankierend eine Bestandserhebung im Rahmen einer Masterarbeit sowie Kontakte zu gebietskundigen Fachleuten initiiert. Die Öffentlichkeit wurde mit mehreren Artikeln im GA/MAZ über die aktuellen Probleme und Entwicklungen informiert.
Neben dem Schwerpunktthema fanden zahlreiche weitere Aktivitäten statt:
Schon im Januar führten wir eine vereinsinterne Exkursion zum Malscher Landgraben durch, in der es um mögliche Bibersichtungen ging. Danach folgte eine Kontaktaufnahme mit dem Biberbeauftragten des Landkreises, der im Juni eine gut besuchte öffentliche Begehung vor Ort führte.
In der Saison der Amphibienwanderung (Februar bis April 2025) engagierte sich unser Verein wieder mit mehreren aktiven Gruppen bei der Amphibienrettung in Sulzbach. Leider zeigte sich auch dieses Jahr wieder der seit mehreren Jahren registrierte Rückgang der Erdkrötenpopulation. Problematisch ist der Wanderungsweg durch Sulzbach, weshalb der Verein mit der Umweltbeauftragten der Gemeinde, Frau Weinerth, und dem Forst intensiv in Kontakt steht, um langfristig eine Verbesserung der Situation zu erreichen. Dies ist aufgrund der Verhaltensbiologie der Tiere nur sehr schwierig umsetzbar.
Seit drei Jahren gibt es im Verein das Projekt einer Kindergruppe (Grundschulalter), das von zwei erfahrenen Naturpädagoginnen (Tandem Naturzeit, https://www.tandem-naturzeit.de) erfolgreich durchgeführt wird. Die Veranstaltungen waren weiterhin sehr gut besucht. Die Förderung des Naturbezugs von Kindern ist ein zentrales Ziel im Sinne der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Inzwischen sind einige der teilnehmenden Kinder dem Grundschulalter entwachsen, sodass wieder Plätze für neue Kinder verfügbar sind. Interessierte können sich gerne beim Verein melden.
Ein neues Projekt des Umweltvereins wurde im April mit einer Exkursion in den Kraichgau begonnen: In Malsch soll ein Naturschutzturm mit Nisthilfen für Tierarten entstehen. Hierfür gibt es Vorbilder, bei denen z.B. alte Trafohäuser zu „Lebenstürmen“ oder „Biotoparchen“ umgestaltet wurden. Alternativ gibt es Holzkonstruktionen. Die Planungen zur Gestaltung, dem Standort und den rechtlichen Rahmenbedingungen beschäftigen den Verein seither. Wir sind zuversichtlich, dass es uns gelingt, auch in Malsch eine derartige Einrichtung für den Artenschutz in der Gemeinde zu schaffen.
Neben diesen längerfristigen Projekten gab es verschiedene Einzelaktionen:
Am 10.05.2025 fand wieder die Pflanzentauschbörse am Mühlplatz in Zusammenarbeit mit dem OGV Malsch mit guter Resonanz statt.
Für das Jahr 2026 planen wir eine Veranstaltung „Lebendige Heuwiesen“, zu der am 28.05.2025 eine Vorexkursion nach Völkersbach stattfand.
Am 09.06.2025 trug der Verein beim Mühlentag einen Stand zu seinen Aktivitäten bei.
Unser diesjähriger Vereinsausflug am 06.07.2025 führte uns zur Gartenschau Freudenstadt-Baiersbronn mit einer kompetenten und unterhaltsamen Führung durch das wunderschöne Gelände.
Am 19.08.2025 fand das diesjährige Angebot im Ferienprogramm mit 12 teilnehmenden Kindern zum Thema „Leben im und am Bach“ statt.
Am 21.09.2025 beteiligte sich unser Verein mit einer Standhilfe bei der Genusswanderung und am 29.11.2025 bei der diesjährigen Obstbaumverteilung des OGV.
Wie in vielen anderen Gemeinden zeigen sich in Malsch in den letzten Jahren aufgrund zunehmender Trockenheit Dürreerscheinungen an innerörtlichen (Straßen-)bäumen. Während der heißen Phase des Jahres im Hochsommer engagierte sich unser Verein mehrere Wochen bei der Bewässerung von Bäumen auf dem Mühlplatz und unterstützte die Gemeinde bei Bewässerungsmaßnahmen. Problematisch sind dabei die häufig zu kleinen Baumscheiben, sodass die Straßenbäume unter extremem Wasserstress leiden.
Unser Verein engagiert sich für den Klimaschutz im Rahmen des Klimabündnisses Ettlingen. An der ersten Klimademo in Ettlingen am 19.09.2025 nahmen mehrere Mitglieder teil. Die Veranstaltung war mit ca. 350 Teilnehmenden für ein erstes Mal recht gut besucht.
An mehreren Terminen wurden auch in diesem Jahr wieder Biotoppflegearbeiten und Projektbetreuungen durchgeführt: An einer Hecke in Waldprechtsweier und im Bereich Wiedenäcker/Kreuzäcker (Förderung des Trauerschnäppers), im Gebiet „Luderbusch“ (Zurückdrängung der Kanadischen Goldrute, eines invasiven Neophyts), bei der Betreuung gepflanzter Bäume am Lindenhardter-Weg-Bach und bei der Pflege der von uns angelegten Wildbienen- und Schmetterlingsweide neben der St. Bernharduskirche.
So zeigte unser Verein auch in diesem Jahr ein sehr vielfältiges Engagement für die natürlichen Lebensgrundlagen, bei dem auch neue Aktive willkommen sind. Interessierte finden die Kontaktdaten auf unserer Homepage www.umweltverein-malsch.de
Herzlichen Dank allen aktiven Mitgliedern für das vielfältige Engagement im Jahr 2025!
Erste Klima-Demo in Ettlingen erfolgreich durchgeführt
Ca. 350 Personen aus Ettlingen und dem südlichen Landkreis Karlsruhe folgten unserem Aufruf, am 19.9. ein Zeichen für Umweltschutz und gegen den Klimawandel zu setzen.
Unsere beiden Redebeiträge von Dr. Andrea Meyn vom Helmholtz Energy Office und Professor Peter Knippertz, Institute of Meteorology and Climate Research wurden eingerahmt von den Omas for future mit einem Rollenspiel und von den Musikern "Ploink & Die Grooveties" und Marcel Buchholz. Dies fand bei den Anwesenden großen Zuspruch.
Die Demo wurde von mehr als 20 Institutionen und Vereinen, sowie Kirchen aus Ettlingen, dem Albtal und Malsch unterstützt.
Wir wollen nun diese Demo als Startschuss nutzen um in Ettlingen und dem südlichen Landkreis ein Klimabündnis zu gründen. Dieses soll, wie auch bei der Organisation der Demo geschehen, ohne politische Parteien und Unternehmen bestehen. Wir freuen, wenn Einzelpersonen und Institutionen, die dem Thema Klimawandel und Umwelt nahestehen, uns bei der Gründung unterstützen.
Ein Gründungstreffen wird organisiert und der Termin frühzeitig an dieser Stelle bekannt gegeben.
Der Federbachbruch: ein Kleinod mit Potential für Klima-, Hochwasser- und Naturschutz
Der Federbachbruch in Malsch ist ein Niedermoorgebiet, das sich seit etwa 10.000 Jahren im Bereich der Randniederung der Rheinebene („Kinzig-Murg-Rinne“) entwickelte. Damals befand sich parallel zum Rhein zeitweise ein Fluss im Bereich der geologischen Randsenke des Oberrheintals. In diese Talsenke mündete in Malsch später der Zusammenfluss von Waldprechtsbach und Tännelgraben, der Federbach, ein und fließt bis heute zunächst, entgegen dem Gefälle der Oberrheinebene, Richtung Südwesten, bevor er nördlich von Rastatt Richtung Rhein umschwenkt und heute bei Maxau in die Alb mündet. Diese „paradoxe“ Fließrichtung macht den Federbach zu einer Besonderheit in der gesamten Oberrheinebene und ist der Grund dafür, dass er in früherer Zeit zwischen Malsch und Muggensturm nur sehr langsam und stark mäandernd floss, sodass ein Niedermoor, das Federbachbruch, entstand. Ende des 18. Jahrhunderts verlegte man den Federbach in einen nördlich des Bruchs gelegenen Kanal, sodass das Niedermoor nach und nach immer weniger Wasserzustrom hatte und langsam trockener fiel. Mit dem Umdenken im Hinblick auf den Wert der Naturgüter und den drohenden Verlust des landschaftlichen Reichtums der Region wurde zwischen 1995 und 2009 ein wasserwirtschaftlich-ökologisches Entwicklungskonzept zur Renaturierung der Federbachniederung durch die Anliegergemeinden und das RP Karlsruhe aufgelegt, das auch mit einer Reihe von Maßnahmen in den Ortsbereichen Malsch und Muggensturm umgesetzt wurde.
Der kanalisierte Federbach führt einen Großteil der Wassermenge am Bruch vorbei. Nur ein kleinerer Teil gelangt über den Bruchgraben in das Niedermoor.
Seither hat sich das bzw. der Federbachbruch, sicherlich auch im Zusammenhang der rasanten Klimaerwärmung in den letzten Jahrzehnten, kaum erholen können. Im Gegenteil, das Gebiet trocknet zunehmend periodisch aus und die früheren reichen Amphibienbestände sind zusammengebrochen. Seit vielen Jahren setzt sich der Natur- und Umweltschutzverein Malsch e.V. für eine stärkere Wiedervernässung des Federbachbruchs ein. Dabei geht es nicht ausschließlich um den Erhalt einer wertvollen Naturlandschaft, sondern auch um die Nutzung des enormen Potentials für den Klimaschutz (das Niedermoor als langfristig wirksame CO2-Senke), den Hochwasserschutz (als Wasserretentionsraum) und den Natur- bzw. Artenschutz. Die Maßnahmen bis 2009 waren offensichtlich unter den veränderten Rahmenbedingungen noch nicht ausreichend, weshalb der Verein in diesem Jahr das Thema zu einem Schwerpunkt seiner Aktivitäten machte. Zum Abschluss der thematischen Veranstaltungsreihe in diesem Jahr fand am 27.07. eine Fahrradexkursion zum Federbachbruch statt, an der annähernd 30 Personen teilnahmen.
Die Exkursionsgruppe am Abschlag vom Federbach in den Bruch- bzw. Neugraben, der nur einen Teil des Bachwassers in das Bruch ableitet.
Unter der Leitung von Helmut Rastetter und Gemeinderat Karlheinz Bechler und mit Beteiligung von Dipl.-Ing. Rolf Bostelmann, der am Entwicklungskonzept der 90er und 2000er Jahre maßgeblich beteiligt war und der den sehr gut besuchten Vortrag zum Thema im März gehalten hat. Vor Ort konnte die Gruppe den Abschlag vom kanalisierten Federbach zum Neugraben, den Verlauf des Federbachs und des Bruch- bzw. Neugrabens sowie das Federbachbruch mit seinen verschiedenen Zonen in Augenschein nehmen. Rolf Bostelmann erläuterte auch die bei einer weiteren Vernässung zu erwartenden notwendigen Untersuchungen und die zu erwartenden Effekte. Mit dem Klimawandel ist in den kommenden Jahren mit zunehmender Trockenheit zu rechnen, sodass mit der Wiedervernässung unter Umständen durch die Retentionswirkung auch ein kontinuierlicherer Abfluss in Richtung Muggensturm möglich würde. Dazu wären weitere Untersuchungen nötig. Unter den Teilnehmenden war auch Martin Klatt, Leiter der NABU-Geschäftsstelle Mittlerer Oberrhein in Rastatt sowie zwei Gemeinderatsmitglieder aus Muggensturm und aus Malsch. Der Natur- und Umweltschutzverein wird sich bei den zuständigen Behörden weiter für eine Renaturierung des Federbachbruchs einsetzen. Ein besonderer Dank gilt Rolf Bostelmann, der die Veranstaltung mit seiner Expertise perfekt abrundete.
Drunt‘ in der grünen Au – botanische Wanderung ins Federbachbruch
Am 15. Juni trafen sich 15 botanisch Interessierte am Hasenhäusle, um nach den diesjährigen Veranstaltungen des Natur- und Umweltschutzvereins zum Federbachbruch auch die Vielfalt der Pflanzenwelt in diesem wertvollen Naturschutzgebiet zu erkunden. Auf dem Weg zum ausgedehnten Erlen-Eschenwald nahmen wir die Röhrichtzone in den Blick, mit dem als „natürliche Monokultur“ wachsenden Schilf und dem in den Randzonen bestandsbildenden Wasserschwaden. Diese Bereiche sind besonders als Lebensraum angepasster Vogelarten wertvoll, wie dem Schilfrohrsänger. Am Waldrand fanden wir begleitende Gehölze wie die Traubenkirsche und den Schwarzen Holunder. Der Auwald selbst wird vor allem durch die Schwarzerle und die Gemeine Esche gebildet. Die Schwarzerle ist eine Baumart, die sehr lange Überflutungszeiten im Jahr erträgt und daher für die Auen prädestiniert ist. Die Bodenvegetation wird vor allem durch Sauergräser wie die Hängende und die Steife Segge gebildet. Das Zentrum des Federbachbruchs mit Grauerlenbeständen ist aus Naturschutzgründen nicht zugänglich und bietet Deckung für Waldbewohner wie Reh und Wildschwein.
Die Gefährdung des Federbachbruchs durch den zu geringen Wasserzufluss zeigt sich durch immer größere Goldrutenbestände, die den bedenklich schlechter werdenden Zustand des Naturschutzgebietes zeigen. Eine Wiedervernässung erscheint unbedingt notwendig, um das Gebiet langfristig für den Naturschutz zu sichern.
Auf dem Rückweg fanden wir entlang des Weges Magerkeitszeiger wie Büschelnelke und Hornklee, die in Auwäldern an trockenen, oft kiesigen Stellen vorkommen. Rechtzeitig vor dem einsetzenden Regen und leichtem Gewitter kamen wir nach einem eindrucksvollen Naturerlebnis zurück zum Ausgangspunkt.