Fahrradexkursion in den Federbachbruch

03.08.2025

 

Der Federbachbruch: ein Kleinod mit Potential für Klima-, Hochwasser- und Naturschutz

 

Der Federbachbruch in Malsch ist ein Niedermoorgebiet, das sich seit etwa 10.000 Jahren im Bereich der Randniederung der Rheinebene („Kinzig-Murg-Rinne“) entwickelte. Damals befand sich parallel zum Rhein zeitweise ein Fluss im Bereich der geologischen Randsenke des Oberrheintals. In diese Talsenke mündete in Malsch später der Zusammenfluss von Waldprechtsbach und Tännelgraben, der Federbach, ein und fließt bis heute zunächst, entgegen dem Gefälle der Oberrheinebene, Richtung Südwesten, bevor er nördlich von Rastatt Richtung Rhein umschwenkt und heute bei Maxau in die Alb mündet. Diese „paradoxe“ Fließrichtung macht den Federbach zu einer Besonderheit in der gesamten Oberrheinebene und ist der Grund dafür, dass er in früherer Zeit zwischen Malsch und Muggensturm nur sehr langsam und stark mäandernd floss, sodass ein Niedermoor, das Federbachbruch, entstand. Ende des 18. Jahrhunderts verlegte man den Federbach in einen nördlich des Bruchs gelegenen Kanal, sodass das Niedermoor nach und nach immer weniger Wasserzustrom hatte und langsam trockener fiel. Mit dem Umdenken im Hinblick auf den Wert der Naturgüter und den drohenden Verlust des landschaftlichen Reichtums der Region wurde zwischen 1995 und 2009 ein wasserwirtschaftlich-ökologisches Entwicklungskonzept zur Renaturierung der Federbachniederung durch die Anliegergemeinden und das RP Karlsruhe aufgelegt, das auch mit einer Reihe von Maßnahmen in den Ortsbereichen Malsch und Muggensturm umgesetzt wurde.

 

Der kanalisierte Federbach führt einen Großteil der Wassermenge am Bruch vorbei. Nur ein kleinerer Teil gelangt über den Bruchgraben in das Niedermoor.

 

Seither hat sich das bzw. der Federbachbruch, sicherlich auch im Zusammenhang der rasanten Klimaerwärmung in den letzten Jahrzehnten, kaum erholen können. Im Gegenteil, das Gebiet trocknet zunehmend periodisch aus und die früheren reichen Amphibienbestände sind zusammengebrochen. Seit vielen Jahren setzt sich der Natur- und Umweltschutzverein Malsch e.V. für eine stärkere Wiedervernässung des Federbachbruchs ein. Dabei geht es nicht ausschließlich um den Erhalt einer wertvollen Naturlandschaft, sondern auch um die Nutzung des enormen Potentials für den Klimaschutz (das Niedermoor als langfristig wirksame CO2-Senke), den Hochwasserschutz (als Wasserretentionsraum) und den Natur- bzw. Artenschutz. Die Maßnahmen bis 2009 waren offensichtlich unter den veränderten Rahmenbedingungen noch nicht ausreichend, weshalb der Verein in diesem Jahr das Thema zu einem Schwerpunkt seiner Aktivitäten machte. Zum Abschluss der thematischen Veranstaltungsreihe in diesem Jahr fand am 27.07. eine Fahrradexkursion zum Federbachbruch statt, an der annähernd 30 Personen teilnahmen. 

 

Die Exkursionsgruppe am Abschlag vom Federbach in den Bruch- bzw. Neugraben, der nur einen Teil des Bachwassers in das Bruch ableitet.

 

Unter der Leitung von Helmut Rastetter und Gemeinderat Karlheinz Bechler und mit Beteiligung von Dipl.-Ing. Rolf Bostelmann, der am Entwicklungskonzept der 90er und 2000er Jahre maßgeblich beteiligt war und der den sehr gut besuchten Vortrag zum Thema im März gehalten hat. Vor Ort konnte die Gruppe den Abschlag vom kanalisierten Federbach zum Neugraben, den Verlauf des Federbachs und des Bruch- bzw. Neugrabens sowie das Federbachbruch mit seinen verschiedenen Zonen in Augenschein nehmen. Rolf Bostelmann erläuterte auch die bei einer weiteren Vernässung zu erwartenden notwendigen Untersuchungen und die zu erwartenden Effekte. Mit dem Klimawandel ist in den kommenden Jahren mit zunehmender Trockenheit zu rechnen, sodass mit der Wiedervernässung unter Umständen durch die Retentionswirkung auch ein kontinuierlicherer Abfluss in Richtung Muggensturm möglich würde. Dazu wären weitere Untersuchungen nötig. Unter den Teilnehmenden war auch Martin Klatt, Leiter der NABU-Geschäftsstelle Mittlerer Oberrhein in Rastatt sowie zwei Gemeinderatsmitglieder aus Muggensturm und aus Malsch. Der Natur- und Umweltschutzverein wird sich bei den zuständigen Behörden weiter für eine Renaturierung des Federbachbruchs einsetzen. Ein besonderer Dank gilt Rolf Bostelmann, der die Veranstaltung mit seiner Expertise perfekt abrundete.